Betriebsrente

RentenalterImmer mehr Firmen wenden sich von der klassischen Betriebsrente ab

Die Zinsen befinden sich im freien Fall. Dieser freie Fall sorgt in weiterer Folge dafür, dass immer mehr Kapital von Unternehmen reserviert werden muss, damit die Betriebsrente erhalten bleibt. Viele Unternehmen haben bereits vom Versprechen der festen Beträge abgesehen; das Risiko, die Zusagen nicht einhalten zu können, wächst von Tag zu Tag. Schlussendlich sorgen die versprochenen Summen der Betriebsrente für riesige Beträge in den Bilanzen; wenn der Zinssatz weiter fällt, müssen nämlich noch mehr Rückstellungen gebildet werden.

Es gibt keine fixen Zusagen mehr

Die EnBW hat ihre Pensionsrückstellungen zwischen 2011 und 2014 um 2,4 Milliarden Euro erhöht. Daimler hat seit dem Jahr 2010 bereits 7,4 Milliarden Euro an zusätzliche Pensionsrückstellungen geleistet. Auch Siemens hat sein Kapital um 700 Millionen aufgestockt. Selbst Schuler musste seine Rückstellungen im vergangenen Jahr deutlich erhöhen. Doch viele Unternehmen garantieren den neuen Mitarbeitern gar keine Betriebsrente mehr. Im Gegenteil. Viele Firmen versuchen ihren Beschäftigten und Rentnern, denen schon vor Jahren fixe Zahlen der Betriebsrente garantiert wurden, diese abzukaufen. Die Heidelberger Druckmaschinen haben etwa das System komplett umgestellt. Hier gibt es keine festen Zusagen mehr; es gibt nur noch die Möglichkeit einen bestimmten Betrag einzuzahlen. Welche Beträge am Ende zur Verfügung stehen, bleibt ungewiss.

Aus fast allen Bereichen ertönen kritische Stimmen

Markus Arnold, zuständig für die Firmenkunden der Allianz Leben, bestätigt, dass die derzeit niedrigen Zinsen eine starke Belastung für die Unternehmen darstellen. Vor allem kleinere sowie mittlere Unternehmen haben immer wieder Probleme, wenn einer ihrer Mitarbeiter verstirbt oder einen Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente stellt. Schlussendlich können neue Belastungen von 2.000 bis sogar 3.000 Euro monatlich fällig werden; ein Todesstoß für viele Firmen. Betriebsrenten seien aber unerlässlich. Jedenfalls, wenn es nach Mario Ohoven geht. Der Präsident des BVMW – des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft – setzt sich weiterhin für die Betriebsrenten ein. Ohoven fordere eine Berücksichtigung der Abzinsung, sofern Niedrigzinsphasen – wie derzeit – gegeben sind. Auch Ulrich Hensinger, Mitarbeiter des Landesarbeitsgerichts in Baden-Württemberg, sieht eine Gefahr hinter dem neuen Modell. „Die Angestellten wissen heute nicht mehr, wie hoch ihre Betriebsrente ist. Immer wieder klagen Mitarbeiter wegen der Betriebsrente ihr Unternehmen. Leider ist das alles keine Seltenheit mehr“. Thema der Verhandlungen? Die Kürzungen der Betriebsrente.

Ab Herbst wird wegen der EnBW verhandelt

Derzeit befasst sich das Landesgericht mit Klagen von EnBW-Mitarbeitern. Ab Herbst werden etwa 100 Verfahren behandelt. Bei den Verhandlungen selbst wird es sich um dreistellige Millionenbeträge handeln.