Die Arbeitnehmer als Weltmeister

Wenn die Nationalmannschaft um den Weltmeistertitel kämpft, teilt sich die Nation bekanntlicherweise in zwei verschiedene Lager auf. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft greifen die Meinungsverschiedenheiten auch auf den beruflichen Bereich über. So fordern die Gewerkschaften die einzelnen Arbeitgeber dazu auf, ihren Arbeitnehmern einen späteren Arbeitsbeginn zu ermöglichen. Da zahlreiche Spiele erst am späten Abend beziehungsweise mitten in der Nacht beginnen, sollen vor allem die Anfangszeiten der Frühschichten flexibler gestaltet werden. Eine entsprechende Forderung wurde unter anderem von Carsten Burckhardt gestellt. Das bei der IG Bau tätige Vorstandsmitglied appelliert an die Arbeitgeber, die festgelegten Zeiten des Arbeitsbeginnes um bis zu zwei Stunden zu verschieben. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Michael Vassiliadis.

Er ist für die IG Bergbau, Chemie, Energie tätig. Gemäß seinen Aussagen könnten die Arbeitgeber in einer Kooperation mit den Betriebsräten über eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten während der Weltmeisterschaft nachdenken. Neben den bereits erwähnten Gewerkschaften setzt sich auch die Gewerkschaft Verdi für einen späteren Arbeitsbeginn ein. Als Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft unterstützt Christoph Schmitz ebenfalls die Vorschläge der anderen Gewerkschaften. Die Forderungen der Gewerkschaften wurden nicht ohne Grund gestellt. Basierend auf der Zeitverschiebung können viele Arbeitnehmer die Spiele der Weltmeisterschaft nicht verfolgen.

So wird beispielsweise das Halbfinale der diesjährigen Weltmeisterschaft erst um 22 Uhr angepfiffen. Von den meisten Arbeitgebern werden die Forderungen der Gewerkschaften nicht als solche aufgefasst. Vor allem kleine Betriebe sowie mittelständische Betriebe sehen die Forderungen als einen willkommenen Vorschlag an. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sieht ein gewisses Maß an Flexibilität ebenfalls als äußerst sinnvoll an. Von dem stellvertretenden Geschäftsführer Achim Dercks wird die Einführung einer vorübergehenden Gleitzeitregelung als eine angemessene Möglichkeit angesehen. Ein Abbau von Überstunden wäre für ihn ebenfalls eine Möglichkeit, welche von den einzelnen Arbeitgebern in Betracht gezogen werden sollte.