Firmensitz im Ausland?

Dass Unternehmen in den letzten Jahren zunehmend ihren Firmensitz ins Ausland verlegen, hat etwas mit dem Steuerbürokratieabbaugesetz aus dem Jahr 2008 zu tun. Seither lautet der Grundtenor der deutschen Steuergesetzgebung, dass Steuern am Ort der „vorwiegenden Tätigkeitsausübung“ und nicht mehr (wie vorher) des Wohnsitzes anfallen. Natürlich müssen auch im Ausland Steuern gezahlt werden, sie fallen aber in einigen Fällen wesentlich niedriger als in Deutschland aus.

Steuergestaltung im Einzelnen

Die Einkommensteuer des Unternehmers erhebt nach wie vor das Finanzamt an dessen Wohnort (§ 19 AO), die Körperschaftssteuer hingegen entfällt am Sitz der Geschäftsleitung und entfällt damit bei einigen Gesellschaftsformen nach britischem und amerikanischem Recht gänzlich, auch die Umsatzsteuer wird am Unternehmenssitz erhoben (§ 21 AO) und liegt in einigen Staaten weit unter deutschen Verhältnissen, in anderen allerdings darüber. Unternehmer, die weltweit arbeiten, müssen hier genau kalkulieren, denn die höhere Umsatzsteuer zum Beispiel in skandinavischen Ländern erweist sich nachteilig hinsichtlich der Preiskalkulation gegenüber den dortigen Kunden, aber als vorteilhaft bei dortigen Einkäufen, wenn im Gegenzug in Niedrigsteuerländern (mit niedriger Umsatzsteuer) verkauft würde und es dadurch zu einem viel höheren Vorsteuerabzug kommt. Ein wichtiges Moment für die Freiberufler der IT-Branche gibt die Änderung der § 18 Absatz 1 AO ab (gesonderte Feststellung aus freiberuflichen Einkünften): Bis 2008 waren Wohn- und/oder Verwaltungssitz maßgebend für die Erhebung der Steuern, seither ist es der Ort der vorwiegenden Tätigkeit – und die kann im Internet weltweit stattfinden.

Beratung für einen Firmensitz im Ausland

Die steuerlichen Feinheiten und die juristischen Grundlagen bei einem Firmensitz im Ausland sind so umfassend, dass es ohne Rechtsberatung nicht geht. Ansonsten können sich vermeintliche Steueroasen als Steuergrab entpuppen. Zudem ist nicht jede Firma ohne Probleme vom Ausland aus zu führen, denn nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die gesamte Peripherie sieht sich anderen juristischen Gegebenheiten gegenüber. Wer etwa seinen Firmensitz auf Mallorca verlegen wollte, einfach des schönen Wetters wegen, und dort eine kleine Finca als Firmensitz erwerben wollte, stolpert spätestens bei Kaufvertrag über das spanische Immobilienrecht: Dortzulande sind nicht einmal Notarverträge beim Immobilienkauf vorgeschrieben.

Ein Gedanke zu „Firmensitz im Ausland?

  1. Helmut Grund

    Meiner Meinung nach ein sehr heikles Thema, bei dem man niemals alle auf einen Nenner bekommt. Es muss dennoch gesagt werden, dass potenzielle Unternehmer sich sowohl mit dem deutschen Recht als auch mit dem ausländischen intensiv beschäftigen sollten.

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