Hat die EZB ihr Pulver bereits verschossen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nicht nur die Leitzinssenkung als Rettungsmaßnahme implementiert, doch bislang verpufften alle Initiativen ohne Wirkung. In ihrer Not erwägen die Zentralbanker mittlerweile die Akzeptanz äußerst umstrittener Kreditverbriefungen und als letzten Ausweg den Ankauf europäischer Staatsanleihen.

Deutschland kann den Anleihenkauf nicht verhindern

Den Brüsseler Regeln entsprechend hat kann Bundesbankchef Weidmann im kommenden Jahr nicht von seinem Veto-Recht Gebrauch machen, da er 2015 nicht im Besitz eines umfassenden Stimmrechts ist. Die EZB verpasste einem ihrer Kreditprogramme den denkwürdigen Namen „Dicke Berta“, sie hätte dabei allerdings an den Preußenkönig Friedrich II denken sollen. Denn dieser ließ schon 1742 seine Kanonen mit einer Aufschrift in Latein versehen, welche in deutscher Sprache diese Mahnung vermittelt: Dies ist das letzte Mittel des Königs. Dessen ungeachtet verschoss die EZB ihr vielleicht letztes Pulver mit sehr geringer Wirkung.

Aktuelle Maßnahmen zeigen keinen Erfolg

Das von den europäischen Währungshütern eingesetzte Programm TLTRO sollte den nationalen Banken langfristig günstig Mittel sichern, die als Kredite an die Wirtschaft vergeben werden sollten. Die Institute zeigten daran nur wenig Interesse, 255 Banken hätten insgesamt 133 Milliarden Euro abrufen können, lediglich 83 Milliarden wurden wirklich in Anspruch genommen.

Das nächste Ziel der EZB gilt als sehr umstritten, es dreht sich hierbei um den Ankauf von Darlehensverbriefungen, die in der Branche kurz als ABS bezeichnet werden. Das Problem dieser Asset Backed Securities: Sie gelten als Hauptverursacher der letzten Finanzkrise. Den Zentralbankern ist die Problematik bekannt, sie akzeptierten diese riskanten Papiere bislang nur bei erstklassiger Bonität, welche ein A+ Rating als Mindestanforderung beinhaltete.

Das letzte Aufgebot

Mittlerweile gehen Insider davon aus, dass es die EZB nicht bei diesen Anforderungen belässt und auch ABS mit schlechteren Ratings aufkaufen wird. Darüber hinaus wird die Zentralbank in Kürze mit dem Ankauf von Staatsanleihen beginnen, sie fügt sich damit in die neue Brüsseler Linie ein. Dabei geht es um Eurobonds in Verbindung mit einer generellen Aufweichung der Finanzdisziplin und letztendlich um eine europaweit greifende Arbeitslosenversicherung. Bundesbankpräsident Weidmann, ein erbitterter Gegner des Anleihekaufs, ist zur Untätigkeit verdammt, denn er wurde per Losentscheid an seiner Teilnahme bei den relevanten Sitzungen des EU-Rates gehindert.

Ein Gedanke zu „Hat die EZB ihr Pulver bereits verschossen?

  1. Tine

    Wenn man diese Zeilen liest, wird einem doch ganz anders zumute.
    In den Medien werden diese Fakten oftmals verschwiegen, zumindest vor den Menschen, die eben keine Fachmagazine lesen oder schauen. Gruselig…

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