Land am Rubikon

Es stellt sich nicht die Frage, wann die nächste Eurokrise eintrifft, sondern von wem sie ausgelöst wird. Die Chancen stehen gut, dass es beim nächsten Mal die Italiener sind. Das Land ist verschuldet; beim letzten Stresstest fielen beinahe alle italienischen Banken durch. Der Rubikon ist – sprichwörtlich – überschritten.

Nur Griechenland hat mehr Schulden

Italien – welches die drittgrößte Volkswirtschaft innerhalb der EU darstellt – steht vor dem totalen Chaos. Das Land ist verschuldet und entwickelt sich zu einer Bedrohung für die Eurozone. Die wirtschaftliche Schwäche sowie die dramatische Verschulden sind die Hauptgründe, warum das Land immer weiter nach unten gezogen wird. Derzeit beträgt der italienische Schuldenstand 2,1 Billionen Euro. Nur die Griechen können eine höhere Verschuldung vorweisen. Seit dem Jahr 2008 stiegen die Schulden um ein Drittel. Ein Ende der Schuldenpolitik ist nicht in Sicht. Es ist auch nicht möglich; Italien kann sich – ohne fremde Hilfe – nicht mehr aus dem Schlamassel befreien.

Der Stresstest zeigt: 9 von 15 Banken sind durchgefallen

Von 15 getesteten Banken sind neun Institute durchgefallen. Jene Zahlen weisen auch Spanien, Zypern, Griechenland sowie Irland auf. Die italienischen Banken führen Bücher, welche voll mit Krediten sind. Kredite, die wohl – so ehrlich muss man sein – nie mehr zurückgezahlt werden können. Rund 22 Prozent aller Forderungen hat die Europäische Zentralbank als „notleidend“ eingestuft; zum Vergleich: in Deutschland waren es gerade einmal 7,3 Prozent. Das BIP sank – seit dem Jahr 2007 und dem Ausbruch der Krise – um 9 Prozent. Die Industrieproduktion schrumpfte um 24 Prozent. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, wann Italien zahlungsunfähig ist und die nächste Krise in der Eurozone auslöst.

Rette sich, wer kann

Jedoch steht auch keine Hilfe in Aussicht. Auch wenn Jean-Claude Juncker den Krisenstaaten eine Hilfe in Milliarden-Höhe versprochen hat, weiß niemand, woher diese berühmt berüchtigten 300 Milliarden Euro kommen sollen. Im Endeffekt wird es nichts anderes als eine kreative Buchführung sein. Schlussendlich hat Brüssel mit dem EU-Wachstumspaket 120 Milliarden bereits gezeigt, dass die EU auch aus leeren Hüten Geld zaubern kann. Die Finanzmärkte haben daher bereits längst durchschaut, wie es tatsächlich um den Euro steht. Es gibt bereits einige Investoren, welche auf den Zerfall der Währungsunion spekulieren. In weiterer Folge nimmt natürlich die Kapitalflucht zu. Bereits im September haben rund 35 Milliarden Euro die Währungszone verlassen; das ist der größte Schwund seit dem Jahr 2012. Man agiert nach dem Motto: rette sich, wer kann!