Mittelstandspräsident Mario Ohoven warnt vor Wirtschaftssanktionen gegen Russland

„Jeder neue Dreh an der Sanktionsspirale treibt Russland weiter in die Arme Chinas“, warnte Mario Ohoven im Handelsblatt. Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) reagierte damit auf die Forderung von Anton Börner, Präsidenten des Handelsverbandes BGA, nach härteren Sanktionen gegen Russland. „Die Ukrainekrise kann nur am Verhandlungstisch gelöst werden“, erklärte Ohoven weiter. Denn für alle ausfallenden westlichen Exporteure springen die Chinesen ein – das gelte nicht nur für das Erdgasgeschäft, sondern auch den deutschen Maschinenbau.

„Zugleich werden die Folgen der Sanktionen im deutschen Mittelstand zunehmend spürbar“, warnte der Mittelstandspräsident. Seinen Angaben zufolge verzeichnete zum Beispiel der sachsen-anhaltinische Maschinen- und Anlagenbau, der stark durch Exporte geprägt ist, Einbußen in Höhe von bis zu 50 Prozent. In diesem Zusammenhang verwies Mario Ohoven auch auf eine Analyse von Standard & Poor’s. Nach Angaben der US-Ratingagentur können mehr als 80 Prozent der russischen Unternehmen eine ausreichende Liquidität verweisen.

Jedoch verteuere der Kursabsturz des Rubels die deutschen Waren für russische Unternehmen und Verbraucher. Trotz allem dürften jedoch auch Sanktionen auf dem Kapitalmarkt kaum spürbare Effekte zeigen, meinte Mario Ohoven weiter. Seiner Ansicht nach würde ein Ausschluss des Landes aus dem internationalen Zahlungssystem Swift eher dazu führen, dass die Schwellenländer, und allen voran China, eine Alternative zu dem europäischen Zahlungssystem entwickelten. Ebenso, warnte der Verbandschef, sei in diesem Fall auf dem russischen Markt mit einer Verbreitung des chinesischen Kreditkartensystems UnionPay zu rechnen.

Mittelstandspräsident Ohoven reagierte damit auf die Forderungen von Anton Börner nach einer Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Börner hatte vergangenen Montag in der Welt davor gewarnt, dass sich aus dem Konflikt um die Ukraine „eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Russland und weitere Krisen“ entwickeln würde. Zudem gäbe es nach Ansicht des Präsidenten des Handelsverbandes BGA gerade im Finanzbereich „einige Folterinstrumente“, die Russland hart treffen würden. Mit seiner Meinung steht Börner allerdings nicht nur im Widerspruch zu Mario Ohoven, sondern auch zum Verbandschef des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA) Eckhard Cordes. Auch er hatte am vergangenen Wochenende kritisiert, dass neue Sanktionen gegen Putin nicht zur Entspannung der Lage beitragen würden. Die Wirtschaftssanktionen sind eigentlich dazu gedacht, Putin in der Urkaine-Krise zum Umdenken zu bewegen.