Rente mit 70 gegen den Fachkräftemangel

Während die abschlagsfreie Rente mit 63 erst letztes Jahr eingeführt wurde, soll nun am anderen Ende der Altersspanne angesetzt werden. Die Rente mit 70 soll auf freiwilliger Basis ermöglicht werden, wie Agenturchef Frank-Kürgen Weise vorschlug.

Rente mit 70 gegen Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Um dem entgegenzuwirken, plädiert Frank-Jürgen Weise, seines Zeichens Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, für einen späteren Renteneintritt. Das Ziel seien flexible Altersübergänge, so Weise, und Anreize für Arbeitnehmer, die freiwillig bis 70 arbeiten. Notwendig sei dies vor allem aufgrund der Rente mit 63, die im vergangenen Jahr eingeführt wurde. Nun sei es laut Weise notwendig, am anderen Ende der Altersspanne anzusetzen, um eine optimale Lösung für den Arbeitskräftebedarf zu finden.
Frank-Jürgen Weises Äußerungen zum Thema sind zum Großteil auf Forderungen aus der Wirtschaft zurückzuführen. Diese beklagt seit geraumer Zeit, dass zu wenige Fachkräfte nachrücken, um die pensionierten Fachkräfte zu ersetzen. Als Grund wird der Renteneintritt der Baby-Boomer der Jahrgänge von 1955 bis 1969 angegeben. In den Jahren danach kamen wesentlich weniger Kinder zur Welt und dementsprechend schwierig gestaltet sich der Ausgleich der Fachkräfte. Auch flexible Arbeitszeitmodelle und andere Maßnahmen reichen meist nicht aus.

Gefahr für den Mittelstand

Mit ein Grund für die Rente mit 70 ist die abschlagsfreie Rente mit 63, welche im vergangenen Jahr eingeführt wurde. Diese erfreute sich so großer Beliebtheit, dass die Ausgaben wesentlich höher liegen als bisher gedacht und auch der Mangel an Arbeitskräften sich verschärft. Diese Problematik ist auch Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, bekannt. Dieser äußerte sich bereits im vergangenen Jahr dazu und bezeichnete den Fachkräftemangel als „Alptraum für den Mittelstand“. Überdies sprach er sich für eine bessere steuerliche Unterstützung großer Unternehmen aus. Dadurch könne man die „betriebliche Aus- und Weiterbildung unterstützen“, so Ohoven.

Die bisherigen Maßnahmen mittelständischer Unternehmen beschränken sich auf die innerbetriebliche Ausbildung von Fachkräften. Zudem werden qualifizierte Arbeitskräfte durch flexible Arbeitszeitmodelle entlastet und optimal eingesetzt. Ob diese Maßnahmen ausreichen oder ob die freiwillige Rente mit 70, wie sie Frank-Jürgen Weise von der Agentur für Arbeit fordert, umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Feststeht jedoch, dass der Fachkräftemangel bis spätestens 2025 verheerende Folgen für den Arbeitsmarkt haben könnte.