Wirtschaft ist mit ihrer Regierung unzufrieden

Scharfe Kritik am Rentenpaket, an der Energiewende und an der allgemeinen Wirtschaftspolitik äußern wirtschaftnahe Ökonomen und Wirtschaftsvertreter. Mindestlohn, Mütterrente und steigende Energiekosten gefährden nicht nur den Standort Deutschland, sie steigern auch die Massenarbeitslosigkeit und würden schließlich zur Deindustriealisierung Deutschlands führen.

Rente mit 63, Mütterrente und Mindestlohn sind nach Ansicht vieler Interessenvertreter Wohltaten, die sich Deutschland nicht leisten kann, wenn es zukunftsfähig bleiben möchte. Das wirtschaftsnahe Max-Planck-Institut für Sozialpolitik sieht Facharbeitermangel auf Deutschland zukommen, wenn viele die Möglichkeit nutzen, mit 63 in Rente zu gehen. Dass die Unternehmen bisher gerne ältere Arbeitnehmer vorzeitig in Arbeitslosigkeit und Rente geschickt haben, wird dabei allerdings vergessen.

Der wirtschaftsnahe Volkswirt Hans-Werner Sinn sieht eine Gefährdung von Arbeitsplätzen durch den Mindestlohn. 900.000 Jobs könnten verloren gehen, wenn der Mindestlohn von 8,50 flächendeckend eingeführt würde. Allerdings hat Sinn für seine Rechnung unberücksichtigt gelassen, dass diese Jobs häufig bisher staatlich über Hartz-IV-Aufstock-Zahlungen subventioniert wurden. Der volkswirtschaftliche Kollege Börsch-Supan möchte den Mindestlohn für junge Leute unter 25 Jahren unterbinden, kann aber nicht sagen, wie dies mit dem Gleichheitsgrundsatz vereinbar wäre.

Starke Worte finden die Interessenvertreter der Wirtschaft für die Wirtschaftpolitik der rot-schwarzen Bundesregierung. Börsch-Supan spricht von „Selbstmord“, Reformerfolge der letzten Jahre würden „verfrühstückt“. Mario Ohoven vom Bundesverband des Mittelstandes sieht den Standort Deutschland in Gefahr und EU-Energiekommissar Günther Oettinger spricht von der Deindustriealisierung Deutschlands, weil die Energiepreise für die Wirtschaft in Deutschland nicht mehr tragbar sein werden.

Die Kanzlerin in Berlin kann nach diesen Katastrophenmeldungen ruhig bleiben. Während sie unbeirrt ihren moderaten Reformkurs vorsetzt, sorgen die Alarmmeldungen der Lobbyisten für die angemessenen Hintergrundgeräusche.

Ein Gedanke zu „Wirtschaft ist mit ihrer Regierung unzufrieden

  1. Claudia

    Glaubt man einigen Menschen, so müsste es uns in Deutschland sehr schlecht gehen. Ich sehe hier nicht tagtäglich bettelnde Kinder auf der Straße, alte Menschen, die ohne Pflege auskommen müssen oder aber Kinden, denen die Bildung verwehrt wird.
    Wir jammern auf hohem Niveau.

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